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Während man bestimmte Musik mit einer Umarmung vergleichen kann, ähnelt die Musik von Goose wohl eher einem Faustschlag mitten ins Gesicht, wenn auch einem mit Samthandschuh... Die Grenzen zwischen Rock und Dance-Musik werden in der Welt von Goose ganz einfach miteinander verschweißt, denn das belgische Quartett macht seine Platten so ähnlich, wie Cadillac Autos herstellt – heraus kommt in jedem Fall eine zähe, geschmeidige und perfekte Einheit von Mensch und Maschine. Auf ihrem Debütalbum „Bring It On“ kreieren Goose Dance-Musik mit einem düsteren Unterton. Aus kreissägenhaften Synthesizern, Drums, die durch Mark und Bein dringen und elektroschockartigen Gitarrenriffs entsteht in Kombination etwas, das zwar aggressiv rüberkommt, aber definitiv zum Tanzen verpflichtet. Songs wie die Singles „Black Gloves“ und „British Mode“ sind Produkte einer „State-of-the-Art“-Rockformation, die ihre Musik so aufbaut, wie ein DJ sein Set abspielt: samt Spannungspausen, Steigerungen und der ekstatischen Befreiung, die darauf folgt.

Die Band stammt aus Kortrijk, einer Stadt, die für ihre Textilindustrie bekannt ist. Bert, Dave und Mickael spielen seit 1996 zusammen, als sie noch zur Schule gingen. 1998 gehörten sie zu den Finalisten eines Bandwettbewerbs, der von dem einflussreichen belgischen Musikmagazin „Humo“ organisiert wurde.

Im Jahr 2002, nachdem sie Tom für die Band rekrutiert hatten, nahmen sie noch einmal an dem Wettbewerb teil, dieses Mal unter dem Namen Goose: Namensgebend war hier übrigens Tom Cruise's Sidekick in „Top Gun“, ein Film, der laut Dave „Teil unserer Jugend war“. Goose gewann den mit 10.000 Euro dotierten Wettbewerb (das Geld ging für Equipment drauf) inklusive einer Live-Session auf Radio Brussels, dem belgischen Äquivalent zum legendären UK-Sender Radio 1 und einer Session auf MTV.

Die Gruppe nahm ihre erste Single „Audience“ gemeinsam mit dem Placebo-Produzenten Teo Miller auf, die nun als Bonus-Track auf „Bring It On“ erschienen ist. Das Follow-Up-Stück mit dem Titel „Good Times“ hielt sich zehn Wochen in den belgischen Charts. Doch irgendetwas stimmte nicht.

„Wir waren damals viel rockiger“, erzählt Mickael, „aber alle stritten sich und wollten lieber andere Sachen machen.“ Bert und er begannen, sich mit elektronischer Musik zu beschäftigen: „Wir sind auf einen kleinen Trip gegangen“ – bei dem sie mit den Sounds, die sie mit dem Softwarepaket „Protools“ herstellen konnten, herumexperimentierten. „Die anderen fanden gut, was wir machten, also sagten wir: Lasst uns in diese Richtung gehen. Es war nichts Bestimmtes, das uns beeinflusst hat – einfach nur die Energie von elektronischer Musik. Wir sind jung und feiern und tanzen gerne, und das ist besonders schön, wenn man auf der Bühne Spaß hat.“ „Es hat sich einfach nicht richtig angefühlt“, fügt Dave hinzu. „Wenn wir nun live einen Break machen, macht es Spaß. Es ist auch immer noch alles live – wir haben keinen Sequencer. Manchmal hat man eben Lust, schneller oder langsamer zu spielen und man kann es nicht, weil man immer im Tempo des Tapes spielen muss.“

In der Tat vereint eine Goose-Performance den mitreißenden Rausch von Dance-Musik mit der Angriffslustigkeit von gutem Rock. Zudem gelingt es den Vieren, gleichzeitig Rockstars wie Teil des Publikums zu sein, indem sie unaufhaltsam gemeinsam mit dem Rest des Raumes raven. „Wir haben Spaß und das Publikum hat Spaß“, bringt es Mickael auf den Punkt. „Ich probiere nicht, mich wie ein Sänger zu benehmen. Ich versuche einfach, normal zu sein.“

Goose haben darauf geachtet, nicht gleich mit dem ersten Label in die Kiste zu springen, das ihnen die Chance gab, ein Album zu machen und verbrachten so die erste Hälfte dieses Jahrzehnts vor allem damit, ihren Sound zu perfektionieren und lieber auf die richtigen Leute zu warten. Ihr Bekanntheitsbarometer stieg drastisch an, als Coca Cola 2004 ihren Titel „Audience“ in europaweit ausgestrahlten TV-Spots verwendete; eine Live-Show auf der Popkomm verstärkte die Aufregung um das Quartett noch. Trotzdem dauerte es noch bis Februar 2005, bis das richtige Label anklopfen sollte.

Dave war gerade auf Tour und spielte Gitarre bei Soulwax, als er „Skint“-Boss Damien Harris kennenlernte. „Ich traf ihn in Brighton und gab ihm ein Demo und ich schätze, es hat ihm gefallen”, erklärt Dave simpel. „Das alles geschah ziemlich natürlich.“Der Plan ist nun, nicht mehr stempeln zu gehen und möglichst viel live zu spielen (in Rock- und Dance-Läden) und jedem Publikum eine gute Zeit zu verschaffen. „Wenn wir uns selbst Bands ansehen, sind wir es etwas leid, nur herum zu stehen und mit dem Kopf zu nicken“, sagt Mickael. „Ich glaube, dass die Leute mehr Reize bei Gigs brauchen. Wenn Du auf Festivals eine Rockband hast, die ein One-Hit-Wonder sind, sind die genau für diese fünf Minuten gut, aber dann machen sie mit ihren normalen Songs weiter, und es ist für sie einfach nur Selbstbefriedigung. Aber wenn im Dance-Zelt ein fetter Beat anfängt, tanzen alle und jeder macht mit – das ist dann wie Sex!“

Eins steht auf jeden Fall fest: die Musik frisst Dich mit Haut und Haaren.

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